Hochdeutsch – Benehmen der Wülfinger

Wenn man Sonntags mal zum Gastwirt Ziegenmeyer in Wülfingen geht, wo die Alten ihre Karten kloppen und auch „Einen heben“ kann man das Mundwerk soweit aufsperren, dass die Ohren Besuch kriegen. Junge, Junge was haben doch die alten Wülfinger früher für Späßchen gemacht. Da sagt der eine zum Gastwirt Ziegenmeyer, „das trockene Sommerwetter wäre etwas für den Durst vom alten Trotha und seinem Schwager Ohm Paul gewesen.“ „Was gibt es denn darüber zu erzählen?“ fragte ein junger Bauer.

Und nun erzählte der alte Plattkampe, was sich damals, Neunzehnhundertzehn, bei den Korpsmanövern um Wülfingen zugetragen hat. Es war sehr heiß. Die Soldaten schwitzten so, dass sie selbst unter der Zunge trocken waren. Nun, die Wülfinger Frauen wissen, wie es einem Menschen geht, wenn er verdursten will. Sie brauchen sich bloß ihre Männer anzugucken, und sie stellen gleich eimerweise Wasser raus und schütten da auch einen ordentlichen Schuss Himbeersaft hinein. „Ja, was hat das denn mit dem alten Trotha und Ohm Paul zu tun?“ fragt einer. Na, du Dummkopf, die fuhren bei der Bagage. Trotha hatte seinen Schimmel Max vor den Schlachterwagen gespannt und flötete: „Wer will unter die Soldaten.“

Aber ausgerechnet in Harbansen, wo es den besten Schluck (Schnaps) gibt, wird die Bagage abgelöst und sie bekommem dort auch ihren Lohn. Heilige Beutelwurst noch mal, was haben sich da diese beiden Wülfinger Lörke einen angekuemmelt, und es heißt unter ihnen: „ Zwei Füchse (Goldstücke) in einer Tasche, die beißen sich, und einer muss raus. Na, und nun haben sie sich einen Affen aufgehuckt (betrunken) der sie von innen kratzte. Es war so schlimm, dass Trotha zu Ohm Paul sagte: „Bengel, es wird höchste Zeit, hicks, dass wir beide mal, hicks, Brüderschaft trinken.“ Es war kein Wunder, dass der Schimmel Max auch an zu torkeln fing und in eine Sackgasse reintrampelte.

So fuhren sie auch am Pastorenhause vorbei. Der Pastor riss das Fenster auf und sah dass das Harbanser Teufelswasser die beiden beim Schlafittchen hatte, so rief er denn rüber: „Ihr lieben Leute, wo wollt ihr denn hin? Dieser Weg führt doch zum Gottesacker.“ –„Teufel und Dora, Herr Pastor!“, rief Trotha zurück, hicks, da wollen wir noch nicht hin, hicks, – Herr Pastor, sieht es denn so aus, als wenn wir, hicks, dem Totengräber auf der Schaufel sitzen?“

In diesem Augenblick fing Schimmel Max an zu wiehern, so dass Ohm Paul rief: „Trotha, dass Tier macht sich über uns lustig! – Gib ihm mal einen Klaps!“ – „Wo seid ihr denn her, liebe Leute?“ fragt der Pastor und verkniff das Grinsen. „Das sagen wir nicht, hicks, brüllte Ohm Paul, „wir sind von Wülfingen!“ – „Ach so, von Wülfingen seid ihr. Na, dann seid ihr von besserem Herkommen. Doch der Weg nach Wülfingen verläuft entgegengesetzt“, meinte der Pastor und klappte sein Fenster zu. „Hicks, du bist mir einer, sagt Trotha zu Ohm Paul. „Du hast überhaupt keinen Benimm am Leibe. Wenn wir wieder in Wülfingen sind, du Halbsoldat, dann gibst du bei Ziegenmeyer drei Runden aus, hicks. Nimmst du die Strafe an?“ –Jawohl, Herr Hauptmann!“ brüllte Ohm Paul, aber was habe ich denn gemacht?“ –„Du hast Landesverrat begangen und zum Harbanser Pastor Wülfingen gesagt.“

Aber das steht fest, die Wülfinger haben doch ein Benehmen, ein ganz gutes sogar. Da hatte doch an diesem Sonntag ein Wülfinger Bauer, aber so ein zweihundertundzwanzig Pfund schwerer, einen übern Durst getrunken und wollte sich auf den Weg nach Haus machen. Er kam aus dem Tritt und trampelte am Tisch einem hannoverschen Stadtangeber auf den Fuß, dass er die Engel im Himmel singen hörte. Der Bauer war schon an der Tür, als ihm einleuchtete, dass er ihm Schmerzen verursacht hatte. Er ging wieder zurück, schlug dem Stadtangeber auf die Schulter und sagte: „Entschuldigen Sie man. Ich habe so’n kleinen Schwips.

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